Wurst in der Schwangerschaft: Vorsicht ist geboten!

Wurst und Schwangerschaft kann gefährlich sein! Nachdem jeden Tag mehrere Personen über Suchbegriffe wie "schwanger sein Wurst" und "Schwangerschaft und Wurst" über die Suchmaschine Google1 zu uns auf die Wurstakademie kommen und amüsanterweise beim "Gurke-Wurst-Banane"-Artikel landen, habe ich mich letzte Woche bei Univ. Prof. Markus Nagl2 am Hygiene-Department der Medizinischen Universität Innsbruck3 erkundigt, was es damit auf sich haben kann. Was ich da hörte, ist wirklich sehr Ernst zu nehmen und nicht ansatzweise lustig! Univ. Prof. Nagl hat sich bereit erklärt, einen Gastbeitrag zu verfassen. Herzlichen Dank dafür, Markus!

Toxoplasma gondii - Tachyzoiten Das Wichtigste vorweg: In der Schwangerschaft sollten nur ausreichend geräucherte, gebratene oder gekochte Fleischzubereitungen genossen werden. Der Grund ist u.a. Toxoplasmose, eine Infektion, welche durch Fleisch und Wurst übertragen werden kann.

Der Erreger, Toxoplasma gondii, ist ein Einzeller, der sich in Katzen geschlechtlich vermehrt. Die Katzen scheiden über den Darm Zystenformen aus, welche nach 2-3 Tagen infektiös werden und in der Umgebung gut überleben können. Nimmt ein Pflanzenfresser (z.B. Nutztiere - wie Rinder, Schweine, Pferde) die Zysten auf, werden die in der Zyste befindlichen Erregerformen frei, befallen Körperzellen und vermehren sich in diesen, bevor die Zellen zerplatzen und wiederum Erreger freigeben. Die körpereigene Immunabwehr kann die Toxoplasmen in Schach halten und zwingt sie zum Rückzug in Zystenformen in verschiedene Gewebe (z.B. Gehirn, Muskulatur), aus denen ja dann Wurst gemacht wird. In diesen Zysten überleben die Erreger aber dauerhaft und können bei einer Schädigung des Immunsystems eine Erkrankung verursachen.

Ist das Immunsystem intakt, verläuft die Infektion beim Menschen zumeist symptomlos oder symptomarm (leichtes Fieber, leichte Lymphknotenschwellung) und wird nicht bemerkt. Die Infektion geschieht über Aufnahme von Toxoplasmen über engen Kontakt mit Katzen, die eine sehr hohe Durchseuchungsrate aufweisen (ca. 50%), über ungenügend erhitztes Fleisch, über Gartenprodukte, die durch Katzenexkrimente verseucht werden können (z.B. Salat), und auch über ungenügend geräucherte Wurst etc.. Daher ist die Durchseuchungsrate beim Menschen ähnlich hoch wie bei den Katzen.

Katzen - Süß, aber für Schwangere manchmal nicht so! Problematisch kann die Infektion beim Menschen nur bei defektem Abwehrsystem werden - oder wenn die Erstinfektion in der Schwangerschaft erfolgt. Im letzteren Fall kann es zu einer lebensbedrohlichen Infektion des Fetus kommen, welche bis zum Fruchttod führen kann. Insbesondere kommt es zu einer Entzündung des Gehirnes des Feten und der Netzhaut und Aderhaut des Auges. Folgen in diesen Organen können auch noch lange nach der Geburt auftreten.

Um eine Infektion zu vermeiden, sollten Schwangere möglichst keinen Umgang mit Katzen pflegen (und ganz besonders nicht selbst das Katzenklo4 reinigen!), nur durchgebratenes oder gekochtes Fleisch bzw. ausreichend geräucherte Wurst und nur sauber gewaschene Gartenprodukte essen.

Günstig wäre es, vor der Schwangerschaft die Antikörper gegen Toxoplasmose zu bestimmen. Sind diese positiv (früher durchgemachte Infektion), dann hat die Schwangere einen guten Schutz gegen die Infektion. Sind diese negativ, besteht die Gefahr einer Erstinfektion in der Schwangerschaft. In diesem Fall ist die Schwangere ca. alle 2 Monate auf neu auftretende Antikörper zu testen, was eine Erstinfektion beweist. Bei einer Erstinfektion in der Schwangerschaft ist eine rasche antibiotische Therapie notwendig, um eine Schädigung des Fetus zu vermeiden.

(Univ. Prof. Markus Nagl)

Ich denke, nun ist alles klar und alle, die über Goggle mit den Suchbegriffen "Wurst und Schwangerschaft" zu uns gekommen sind, haben die benötigten Infos bekommen. Viel Spass beim Weiterlesen auf der Wurstakademie-Seite!

Prof. Wurst