Vorlesung 3: Wurst und der Barock

Barock und Wurst Das Wichtigste auf einen Blick:

► Entstehung im 16 Jhd. in Italien

► Stilepoche der abendländischen Kunst

► Repräsentation der abendländischen Kunst

► Üppige, pompöse und verschnörkelte Bauwerke

► Hell-Dunkel-Effekte

► Naturalistische, dramatische Darstellungsweise in der Malerei

Die ägyptische Kunst und die Gotik wurden in den letzten zwei Wochen behandelt - nun geht es weiter mit dem Barock. Der Name "Barock" kommt vom Portugiesischen "barocco" als Bezeichnung für Perlen, die "unregelmäßig, schiefrund" waren. Im Französischen steht "baroque" metaphorisch für "exzentrisch, bizarr". Als Kunstform des Absolutismus und der Gegenreformation ist der Barock durch üppige Prachtenfaltung gekennzeichnet. Italien war Vorreiter in Sachen Barock und von dort verbreitete er sich zuerst in den katholischen Ländern Europas und kam dann in abgewandelter Form auch in protestantische Länder.

Die katholische Kirche beeinflusste die Barockkunst nachhaltig. Als Verfechter der Gegenreformation nutzte der Jesuitenorden beispielsweise die bildliche Sprache des Barock zur Verherrlichung der katholischen Glaubenslehre. Schließlich musste man ja damals nach der Reformation möglichst viele Schäfchen wieder "zurückholen". Prunkvoll gestaltete Kirchen wurden zum Gesamtkunstwerk und verkörperten einerseits die Diesseitsorientierung und Lebensfreude und gleichzeitig die Jenseitsorientierung und die Vorfreude auf das Paradies.

Die Furie wirft mit Wurst im Kunsthistorischen Museum in Wien Den barocken Stil gab es aber nicht nur in der Architektur, bei Kirchen und Palästen, sondern natürlich auch in der Literatur, in der Musik und der bildenden Kunst. Die barocke Skulpur (um 1610) auf dem Foto oben rechts stellt eine Furie dar, wie sie gerade in einem Anfall mit einer St. Johanner mit Senf und Kren/Meerrettich wirft. Zu sehen ist sie im Kunsthistorischen Museum in Wien.1

Der Barock war auch die Zeit der Würste. Nach dem 30jährigen Krieg, der ja von 1618 bis 1648 stattfand, feierten die Überlebenden das Ende der Kriegs- und Leidenszeit mit fröhlichem verwursten der letzten Schweine und halten sogenannte "Friedensfeste" ab, die oft in Trink- und Fressorgien ausarteten.2 Und ebenfalls aus der Epoche des Barock stammt die derb-komische Gestalt der deutschsprachigen Stegreifkomödie - der Hans Wurst! Aber dieser ist einen eigenen Artikel wert, auf den ihr jetzt schon gespannt sein könnt! ;-)

Wer mehr zum Barock lesen will, dem empfehle ich auf Wikipedia oder, speziell zur Literatur des Barock, im Literaturforum nachzulesen.3

 

Also dann, danke für den Besuch der Vorlesung und bis nächsten Freitag, wenn wir uns hier über den Realismus unterhalten.
Die Übersicht zu den schon behandelten Epochen/Themen gibt es auf der Einführungsseite der Vorlesung.

Prof. Wurst