Was ist eine Opferwurst? Wozu braucht es ein Wurstopfer?

Ups, die Wurst ist tot! Beim Schach gibt es das Bauernopfer1 und beim Würste zubereiten die Opferwurst. Das freiwillige Opfern eines Bauern beim Schach hat ein Ziel: einen Vorteil im Spiel zu erlangen. Beim Würste zubereiten hat ein Wurstopfer auch das Ziel, einen Vorteil zu erlangen, einen Vorteil im Geschmack! 

WIE KANN MAN DAS MIT DER OPFERWURST NUN VERSTEHEN?

Keine Angst, ihr müsst nicht zum Mörder werden und einer Wurst die Halsschlagader durchschneiden und warten bis sie verblutet ist und das Zeitliche gesegnet hat, wie im Foto links. Es ist ganz einfach so zu verstehen, dass man eine Wurst "opfert", ganz kurz und schmerzlos. Das heißt, man schneidet sie auf2, gibt sie ins Wasser und lässt sie mit dem Wasser heiß werden und kocht sie aus. Das alles natürlich bevor(!) man die restlichen Würste in den Wursttopf gibt.

WARUM MACHT MAN DAS?

Kurz gesagt: Damit kein Geschmacksverlust entsteht!

Länger gesagt: Das hat mit der Osmose bzw. dem osmotischen Druck zu tun. Falls die Schulzeit einfach zu lange her ist, hier eine kurz gehaltene Beschreibung: Das unterschiedliche Konzentrationsverhältnis zweier Lösungen und eine Trennung dieser beiden durch eine semipermeable (=halbdurchlässige) Membran ist Voraussetzung dafür, dass gelöste Teilchen durch diese Wand hindurch gehen können. Auf der Seite mit der höheren Konzentration von Teilchen ist der osmotische Druck höher und es treten gelöste Teilchen durch die Membran hindurch auf die Seite mit der weniger konzentrierten Lösung. Erst wenn die Konzentration auf beiden Seiten gleich hoch ist und es also ein Gleichgewicht gibt, stoppt der Teilchenfluss.3

Opferwurst im Wursttopf In unserem Fall ist die eine Lösung das Wasser und die andere die Wurst und getrennt sind beide durch eine halbdurchlässige Wursthaut. Die Teilchen auf der Wurstseite sind Salze und Aromen, die auf der anderen Seite, der Wasserseite, nicht vorhanden sind. Sprich: Der osmotische Druck ist in der Wurst viel höher und somit treten Salze und Aromen die Wanderung durch die Wursthaut ins noch nicht besetzte Wasser an. Erst wenn ein Gleichgewicht herrscht und das normale Wasser zum Wurstwasser geworden ist, hört der Fluss der Salze und Aromen aus der Wurst auf - aber dann ist es für den Wurstgenießer geschmacksmäßig meist schon gelaufen, denn die Wurst schmeckt verwässert. Aus diesem Grund opfert man eine Wurst und übergibt sie dem Wasser, das dadurch mit deren Salzen und Aromen angereichert wird und zum Wurstwasser geworden ist, bevor die zum Verzehr bestimmten Würste im Topf landen. Durch die Opferwurst herrscht von Anfang an ein Gleichgewicht im Wursttopf und es bleibt dort ruhig und niemand wandert herum. Die Salze und der Geschmack bleiben in der Wurst! Theoretisch könnte man sogar mit dem Wurstwasser dann noch was anfangen. Aber das ist einen eigenen Artikel hier an der Wurstakademie wert.

Den Begriff der Opferwurst gibt es ja schon lange, aber der österreichische Physiker und Kabarettist Werner Gruber4 hat ihn in den letzten Jahren wieder mehr ins Rampenlicht gerückt. Seht euch einfach das Video links an, wenn ihr unsere Erklärung nochmal von ihm erklärt bekommen wollt. Aber wir müssen zugeben, dass es uns schon weh tut, wie er die Wurst schneidet und diese dann wie ein Tintenfisch aussieht. Aber wer weiß, vielleicht hat er sie ja anschließend zu einem echten Tintenfischwürstl abgebraten - das kennen einige von euch evt. noch aus der Kindheit. Wir würden empfehlen, allein schon für das Auge, die Opferwurst quer in Scheiben zu schneiden, denn wie wir wissen, siehe hier und hier, wird ja Wurst immer schief geschnitten.

GIBT ES ALTERNATIVEN ZUR OPFERWURST?

  • Oh ja, eine Alternative gibt es und zwar eine sehr einfache und günstige: Einfach einen Löffel Salz ins Wasser geben und fertig! Das hat ehrlich gesagt schon unsere Oma so gemacht mit dem Salz.
  • Manche Köche, wie z.B. Alfons Schuhbeck5 geben mit dem Salz noch Petersilienstängel und eine Zitronenschale ins Wasser für die Weißwurst. Das würde ich aber nur bei Weißwürsten machen. Bei anderen Würsten würden wir nur Salz nehmen oder eben eine Wurst opfern.
  • Manche Menschen nehmen auch Suppenwürfel statt Salz oder der Opferwurst. Von dem würden wir geschmacklich dringend abraten! Denn ihr wollt ja eine Wurst, die nach Wurst schmeckt und nicht nach Suppe, oder?

FAZIT:

Um ein Auslaugen der Würste beim Würste Ziehen lassen zu verhindern, opfert man entweder eine Wurst oder muss zumindest Salz ins Wasser geben -  zum Mörder werden muss man auf jeden Fall nicht.

Und zum Schluss noch was zum Schmunzeln: 3 Wurstkarten von Mele, passend zum unserem Thema "Opferwurst". Im Zuge der Serie "Wurst im Film" entstanden die Karten "Spiel mir das Lied von der Wurst", "Er ist tot, Jim!" und "Darth Würstchen". Diese Karten und weitere gibt es übrigens im Edition-Pastorplatz-Shop6 von Mele und Bernd.

Er ist tot, Jim! - von Mele Brink, Edition Pastorplatz Darth Würstchen - von Mele Brink, Edition Pastorplatz Spiel mir das Lied von der Wurst - von Mele Brink, Edition Pastorplatz

Amen!  

 

Prof. Wurst